Ersatzkassen starten Webportal für Versicherte zu kritischen Ereignissen in der Medizin (aerztezeitung.de)

Patientensicherheit

Ersatzkassen starten Webportal für Versicherte zu kritischen Ereignissen in der Medizin

Erstmals bekommen Versicherte Gelegenheit, über Beinah-Fehler in der Versorgung anonym zu berichten. Angeklagt werde niemand, versichert der Ersatzkassen-Verband. Es gehe darum, zu lernen – und es besser zu machen.

Veröffentlicht: 15.02.2024, 13:14 Uhr | aktualisiert: 15.02.2024, 16:05 Uhr

Sprechblasen
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Erstmals bekommen Versicherte Gelegenheit, über Beinah-Fehler in der Versorgung anonym zu berichten. Angeklagt werde niemand, versichert der Ersatzkassen-Verband. Es gehe darum, zu lernen – und es besser zu machen.

Berlin. In der Luftfahrt und der Medizin gibt es sie bereits – nun haben die Ersatzkassen auch ein Webportal für Berichte von Versicherten über kritische und positive Ereignisse in der Versorgung, kurz CIRS, gestartet. Die dort hinterlegten Berichte sollen von Ärzten, Pflegekräften sowie Experten aus Pharmazie und den Bereichen Patientensicherheit und Risikomanagement ausgewertet und dann in anonymisierter Form veröffentlicht werden.

Organisiert wird das Portal von der Deutschen Gesellschaft für Patientensicherheit. Die Gesellschaft hatte während der Corona-Pandemie bereits die Techniker Krankenkasse beim Betrieb eines COVID-19-CIRS unterstützt. Dort konnten Versicherte und Angehörige erstmals in Deutschland Meldungen zu kritischen Ereignissen in der Medizin anonym einreichen.

Zunächst als Pilotprojekt bis Ende 2025

Erreichbar ist das neue CIRS-Portal über die Internetadresse mehr-patientensicherheit.de. Aus den eingereichten Schilderungen sollen konkrete Handlungsempfehlungen und Schritte abgeleitet werden. Das Portal läuft zunächst als Pilot bis Ende 2025 und soll mit Bordmitteln in Höhe von 300.000 Euro ausgestattet sein. Gerechnet wird in der ersten Phase mit rund 600 Berichten, die ausgewertet werden können.

Gemeinsamer Bundesausschuss, Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung sowie die Hersteller von Medizinprodukten und Pharmazeutika sollten über die Ergebnisse des neuen CIRS informiert werden, sagte die Vorstandsvorsitzende des Verbands der Ersatzkassen (vdek), Ulrike Elsner, beim Startschuss des Portals am Donnerstag.

Erfahrungen der Patienten stärker nutzen

Elsner betonte, das Berichtssystem sei nicht dazu da, Ärztinnen, Ärzte, medizinisches Personal oder Institutionen an den Pranger zu stellen. Auch ein „Kummerkasten“ sei damit nicht beabsichtigt. Angaben, die Aufschluss über einen bestimmten Leistungserbringer geben könnten, würden vor Veröffentlichung entfernt. Eingereicht werden könnten auch Meldungen, die die Kassen selbst beträfen – sofern die Schilderungen relevant für die Patientensicherheit seien.

Das Versicherten-CIRS könne keine Behandlungsfehler beweisen oder eine Rechtsberatung ersetzen, sagte Elsner. „Das ist eine andere Schiene.“ Ziel sei es vielmehr, Erfahrungen der Versicherten stärker in die Fehlerkultur in Medizin und Pflege einzubinden und davon zu profitieren. „Denn sie sind oft die einzigen, die den Behandlungsprozess von Anfang bis Ende erleben.“

Der Geschäftsführer der Gesellschaft für Patientensicherheit, der Arzt Dr. Marcus Rall, nannte das Angebot eine „große Chance für die Prävention vermeidbarer Schäden“. Es komme nicht auf die Anzahl an Fällen an, die gemeldet würden, sondern auf deren sorgsame Analyse. „Jeder Fall ist wie eine Taschenlampe.“

CIRS-Systeme seit 2014 Pflicht für Kliniken

Die Sicherstellung von Anonymität sei entscheidend, damit das Portal ins Fliegen komme. „Wenn wir die Anonymität auch nur in einem Fall aufgeben, dann ist das System tot.“ Rall betonte, das Portal stehe allen gesetzlich Versicherten offen.

Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten, Stefan Schwartze, wies darauf hin, dass sich das Gros der Versicherten eine aktivere Rolle beim Thema Patientensicherheit wünsche.

Gut zwei Drittel antworteten auf die Frage, ob sie zur eigenen Sicherheit in der Arztpraxis oder im Krankenhaus beitragen können, mit „Ja“. Die Patientenperspektive sei „wertvoll, um systembedingte Fehlerrisiken zu erkennen und abzubauen“, so der SPD-Politiker.

Der Vorstandsvorsitzende des Medizinischen Dienstes Bund, Dr. Stefan Gronemeyer, erklärte, auf dem neuen Portal könnten Patienten „proaktiv und unkompliziert“ wichtige Hinweise zur Patientensicherheit geben. Für Kliniken und Praxen sollte – unabhängig davon – eine anonyme, sanktionsfreie Meldepflicht für schwerwiegende Schadensereignisse wie etwa Seiten- oder Medikamentenverwechslungen – Never Events – eingeführt werden.

DKG: Portal darf nicht zum Meckerkasten werden

Auch der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Dr. Gerald Gaß, begrüßte die Initiative der Ersatzkassen. „Wichtig ist aber, dass dieses Meldesystem zu Verbesserungen führt und nicht zu einem weiteren Meckerkasten oder Pranger wird.“

In Krankenhäusern sind Fehlerberichts- und Lernsysteme seit 2014 als Teil des internen Risiko- und Qualitätsmanagements verpflichtend. Die Systeme werden aber unterschiedlich stark genutzt. Die Bundesärztekammer bietet Beschäftigten im Gesundheitswesen auf der Website cirsmedical.de die Möglichkeit, anonym über kritische und unerwünschte Ereignisse oder Beinah-Fehler zu berichten. (hom)

15.02.2024

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Referenz:

https://www.aerztezeitung.de/Politik/Ersatzkassen-starten-Webportal-fuer-Versicherte-zu-kritischen-Ereignissen-in-der-Medizin-447145.html?utm_term=2024-02-15&utm_source=2024-02-15-AEZ_NL_DAS-WAR-DER-TAG&utm_medium=email&tid=TIDP2714378XD3A138EFDE034F52A6EA0CC2F95C984BYI4&utm_campaign=AEZ_NL_DAS-WAR-DER-TAG&utm_content=Zi:%20Bis%202040%20fehlen%20ambulant%20jedes%20Jahr%202.500%20Ärzte;%20%5Brundate%5D

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